Schnapszahl 22 – Warum älter werden eine Kopfsache ist

Ich fange an melancholisch zu werden, das Leben scheint an einem vorbeizurasen – mit an Bord befindet sich nicht mein Selbstbewusstsein, eher meine Selbstzweifel. Ich weiß, 22 ist sicherlich kein Alter, um sich Gedanken darüber zu machen, dass man älter wird. Aber viele Meilensteine sind bereits geschafft, viele Ereignisse prägten meine bereits 22 Jahre auf dieser Welt und das Hinterfragen, was danach kommen mag, ist wahrscheinlich eher eine Reaktion des normalen Menschenverstandes, als eine Reaktion der Angst. Oder bin ich vielleicht doch nur ängstlich, was mich noch erwarten wird?




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Warum älter werden eine Kopfsache ist

Angst. Es gibt sie auch im positivem Sinne. Eher eine Angst in Form von aufgeregt sein und sich vielleicht doch freuen. Denn Angst hat man vor einem Ereignis, welchem man nicht Voll und Ganz traut und welches man nicht durchschauen kann. Hinterher kann das Ganze auch so aussehen, dass die Angst unberechtigt war und man sich im Nachhinein um so mehr freut. Eine positive Angst also. Habe ich nun Angst vorm älter werden? Ein wenig. Aber es ist wohl doch die positive Angst, die mich berührt. Ich habe Angst vorm älter werden, weil ich nicht weiß, was mich erwarten wird. Wünsche, Träume und Ziele habe ich, aber ich weiß nicht, wie und ob ich diese erreichen und verfolgen werde. Das Alter hindert mich sicherlich nicht daran, denn das Älter werden ist Teil des Lebens und wie mein Vater immer zu sagen vermocht hat: “Man ist so alt, wie man sich fühlt” – und genau das möchte ich heute mit meinen 22 Jahren noch einmal unterschreiben. Ich weiß, 22 ist kein Alter wo man sich Gedanken darüber machen sollte, wie alt man sich fühlt. Aber wenn ich sagen müsste, wie alt ich mich fühle, dann würde ich sagen, ich fühle mich wie 18: Ich bin neugierig, möchte die Welt sehen, möchte beruflich etwas erreichen, meine eigene Familie gründen, die Liebe meines Lebens halten und mein Leben in vollen Zügen genießen. Manchmal möchte Entscheidungen unüberlegt treffen und das Spontane auf mich zukommen lassen. Manchmal möchte ich aber auch mein Leben akribisch planen und mit Gewissheit meinen von mir auserwählten Weg gehen. Ich bin unentschlossen, aber doch entschlossen das Richtige zu tun.  Ich bin so alt, wie ich mich fühle und ich fühle mich nicht wie eine Studentin, die bald ihren Bachelor in der Tasche hat und in die Arbeitswelt einsteigen wird. Ich möchte noch so viel ausprobieren, noch so viel erleben, privat aber auch beruflich. Älter werden ist eine Kopfsache, denn man ist für nichts zu alt und man sollte seinem Lebensweg so viel Zeit geben, wie er nunmal brauchen wird. Älter werden zeigt, dass die Vergangenheit die Zukunft prägt und man mit einem weiteren Stückchen Weisheit seine Entscheidungen treffen wird.

Vergangenheit prägt die Zukunft

Dass die Vergangenheit unsere Zukunft prägt, ist wohl so selbstverständlich wie die Augenfarbe, die uns mit auf unseren Lebensweg gegeben wurde. Sie ist unveränderlich und wird immer unser Erkennungsmerkmal sein. Wie eine Narbe, die äußerlich auf unserer Haut zu sehen ist, wird auch die Vergangenheit innerlich in uns zu sehen sein. Sei es, dass wir die Narbe von Liebe, einem Abenteuer, einer Heldentat, von einem Unfall oder dem Tod mit uns tragen. Außenstehende können sie zwar betrachten, werden aber nie unsere Gefühlslage nachvollziehen können. Verdrängen hat noch nie geholfen, Akzeptanz und Verarbeiten ist das Credo. Vielleicht schreibe ich diesen Text, weil ich nun 22 und nicht mehr 21 bin. Weil ich eine Schnapszahl erwischt habe und weil ich nun eben nicht mehr 18 bin. Weil ich keine 30 bin, aber auch keine 29 und kurz vor der 30 stehe. Vielleicht schreibe ich mit 50 einen Text, wie schrecklich ich mich fühle alt zu werden, vielleicht werde ich das aber auch sein lassen und mit 50 die vollkommene Zufriedenheit gefunden habe. Vielleicht bin ich ein melancholischer Mensch und die einzige, die so denkt, aber gerade das ist mein Lebensweg, der vielleicht auch gerade erst mit 22 begonnen hat.

Im Rückblick kann ich hier und jetzt sagen, dass ich nichts bereue, dass ich alles so, wie ich es getan habe, noch einmal tun würde und dass jeder Schritt und jede Tat im Leben eine Entwicklung in mir selbst ausgelöst hat. Älter werden ist eine Kopfsache, daraus lernen eine Wohltat.

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1 Kommentar

  1. 24. Februar 2016 / 10:42

    Alles Gute! Schöner Beitrag und ich kann deine Gedankengänge gut verstehen. Mir ging es damals ähnlich, vor allem weil mir meine älteren Cousinen immer gesagt haben was alles schlechter wird, wenn man mal 25 ist. Aber ich bin jetzt 33 und kann nur sagen, das ist alles quatsch. Ich finde mein Leben jetzt viel schöner, als es mit 20 war. Okay, zwei Tage Party, ohne Schlaf, würde ich jetzt wohl nicht mehr so locker durchziehen, aber das muss ich ja zum Glück auch nicht 😉

    LG

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